
Wissen · Softwareentwicklung
Softwareentwicklung abrechnen, wenn KI mitentwickelt
Warum der Stundensatz als Preiseinheit bricht, welche Abrechnungsmodelle stattdessen taugen – und warum es das eine Modell für alles nicht gibt.
Sie wollen wissen, was Ihr Vorhaben kostet? Ich nenne eine Größenordnung, bevor es losgeht.
AnfragenFünf, sechs Tickets in einer laufenden Anwendung: abgearbeitet in zwei bis drei Stunden. Vor zwei Jahren wären das zwei bis drei Tage gewesen. Ein Website-Relaunch, angesetzt auf ein bis zwei Wochen: fertig an einem Tag.
Der Aufwand ist um ein Vielfaches gefallen – der Wert nicht. Der reparierte Bestellprozess bringt denselben Umsatz wie vorher, die neue Website dieselben Anfragen. Damit taugt die Stunde nicht mehr als Preiseinheit. Was stattdessen? (Stand: August 2026)
Warum die Stunde nicht mehr passt
Niemand kauft Anwesenheit. Die Stunde war nur der bequemste Näherungswert für den Wert einer Leistung – brauchbar, solange Aufwand und Nutzen parallel liefen, und vor allem überprüfbar. Diese Kopplung ist weg.
Wer jetzt nach Zeit abrechnet, bestraft sich für Tempo: Je besser er wird, desto weniger verdient er. Für Auftraggeber ist das keine gute Nachricht, sondern eine schlechte – ein Modell, das Tempo bestraft, bremst am Ende das eigene Projekt.
Was nicht schneller geworden ist
Schneller geworden ist das Produzieren. Also der Teil, der sich am leichtesten in Stunden messen lässt und am wenigsten darüber aussagt, ob am Ende etwas Brauchbares steht. Alles andere ist geblieben:
- Verstehen, was gebraucht wird – oft wird ein Symptom beschrieben, während das Problem zwei Ebenen tiefer liegt.
- Entscheiden, welcher Weg trägt – Datenmodell, Schnittstellen, Wartbarkeit in drei Jahren.
- Prüfen – dieser Anteil ist sogar gestiegen: Code, den man nicht selbst geschrieben hat, muss man vollständiger lesen, nicht flüchtiger.
- Verantworten und betreiben – Hosting, Updates, Erreichbarkeit. Wenn nachts etwas ausfällt, ruft der Kunde mich an.
Dazu kommt: Die Gewährleistung läuft unverändert lang. Für ein Werk, das in zwei Stunden entstand, haftet man genauso lange wie für eines aus zwei Wochen. Die Bauzeit ist die eine Größe, die mit dem übernommenen Risiko nichts zu tun hat.
Was jetzt zusätzlich im Ergebnis landet
In jedem Projekt gab es früher eine Liste von Dingen, die nie vorgeschlagen wurden, weil ein Satz feststand: „Das zahlt mir keiner.“ Saubere Fehlerbehandlung an seltenen Stellen. Ein Tastaturkürzel für den Ablauf, den jemand vierzigmal am Tag klickt. Ein Test für den Fall, der einmal im Jahr eintritt und dann weh tut.
Diese Liste kostet nicht mehr die halbe Marge – und landet deshalb im Ergebnis. Das ist der eigentliche Gewinn für Auftraggeber: nicht nur früher fertig, sondern in einer Qualität, die vorher nicht in den Preis gepasst hätte.
Damit steht aber eine Frage im Raum, die beide Seiten betrifft: Wo hört man auf? Wenn Qualität billig wird, fehlt die natürliche Bremse. Die Grenze muss deshalb vorher vereinbart werden, nicht unterwegs entstehen.
Vor der Umsetzung steht bei mir schriftlich, was zum vereinbarten Ergebnis gehört – und was nicht.
Zur SoftwareentwicklungDie Modelle im Überblick
| Modell | Was dafür spricht | Der Haken | Passt für |
|---|---|---|---|
| Stundensatz anheben | Nichts muss umgestellt werden | Verkauft weiter Anwesenheit, nur teurere – der Widerspruch bleibt | Klar abgegrenzte Zuarbeit, bei der der Kunde die Richtung vorgibt |
| Festpreis fürs Ergebnis | Preis hängt am Ergebnis, Bauzeit ist Sache des Anbieters | Risiko liegt ganz beim Anbieter; ohne saubere Abgrenzung Streit bei jedem Nachschlag | Alles Abgrenzbare: erste Version, Schnittstelle, Relaunch |
| Pakete | Vergleichbar, schnell entschieden, Preis steht | Nur dort, wo die Leistung wirklich gleich ist | Einrichtung, Umzüge, Betreuung |
| Nach Nutzen | Bemisst sich an dem, was es einbringt | Setzt Zahlen und Vertrauen voraus; nicht überall zählbar | Automatisierung, Schnittstellen, ersetzte Handarbeit |
| Feste Kapazität | Planbar für beide, kein Angebot je Kleinigkeit | In ruhigen Monaten wird gezählt statt bewertet | Laufende Betreuung und Weiterentwicklung |
| Größenklassen | Feinkörnig wie Stunden, aber ohne Zeitbezug | Erklärungsbedürftig; ohne Disziplin rutscht alles in die kleinste Klasse | Dauerhaft nachwachsende Aufgabenlisten |
Bemerkenswert ist die Verschiebung beim Festpreis: KI senkt genau das Risiko, das früher dagegen sprach. Sich zu verschätzen kostet weniger, wenn der Puffer in Stunden statt in Tagen anfällt. Das Modell, das für kleine Anbieter lange als riskant galt, ist heute das naheliegendste.
Warum ein Modell nicht für alles reicht
In Druck und Textilveredelung hat KI an meiner Kalkulation bislang nichts geändert: Material, Maschinenzeit und Auflage bestimmen den Preis wie zuvor, Aufwand und Wert laufen dort weiter miteinander. Auch das Risiko ist ein anderes – schiefgehen kann das Druckergebnis, und das sieht man sofort, während eine Software still eine Lücke haben kann.
Die brauchbare Frage ist deshalb nicht „welches Abrechnungsmodell ist das richtige“, sondern was bei dieser Leistung den Wert bestimmt: Material und Maschine, Verfügbarkeit, ein abgrenzbares Ergebnis oder ein messbarer Nutzen.
Wie ich ohne Stundenbasis zu einem Preis komme
- Von Referenzen aus schätzen: Was hat eine vergleichbare Sache gekostet – und war die Zahl hinterher richtig?
- Rückwärts rechnen: Wie viele Projekte dieser Art lassen sich im Monat wirklich betreuen? Daraus fällt eine Untergrenze heraus, die an Kapazität hängt, nicht an Bauzeit.
- Bandbreiten statt Punktschätzung: eine Spanne plus die Faktoren, die sie bewegen – das zwingt beide Seiten, über Umfang zu reden statt über Zahlen.
- Messen und zeigen trennen: Wie lange etwas dauert, verfolge ich weiter – sonst merkt man Fehlkalkulationen nicht. Es ist eine interne Größe und gehört nicht ins Angebot.
Was im Angebot steht
Ergebnis, Umfang, was ausdrücklich nicht dazugehört, und was danach passiert: Abnahme, Gewährleistung, Betrieb. Keine Zeitangabe – die war nie eine Information für den Auftraggeber, sondern eine Rechtfertigung für den Anbieter.
Der Einwand, vor dem die Branche gerade Angst hat – „das hat doch die KI gemacht“ – ist mir bislang kein einziges Mal begegnet. Gefragt wird nach Ergebnis, Terminen und Erreichbarkeit. Und die Umkehrung gehört dazu: Wer Ergebnispreise nimmt, muss beim Ergebnis liefern. „Das war eben aufwendig“ fällt als Argument weg.
Ob es für Ihren Fall überhaupt eigene Software braucht, klärt vorher der Artikel Individuelle Software oder Standardlösung?.
Wer dahintersteht

Patrick Hilker
Inhaber · Rahden, seit 2018
Arbeitet seit über zehn Jahren für Unternehmen, Vereine und Privatleute in Ostwestfalen – digital wie gedruckt. Hosting kenne ich auch von der anderen Seite: Für den Webhoster mittwald in Espelkamp arbeite ich an den Produkten, die Agenturen und Entwickler nutzen.
Mehr über mich
